Angel Figueroa
Angel Figueroa
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24Salsa Radio-Show | No.05 vom 07.05.2006
Interview mit dem Dortmunder Tanzlehrer Angel Figueroa.
Interview mp3 download (ca. 4.09mb | 17:52min)
Art: „Es geht hier auch sofort los mit meinem Überraschungsgast: Angel, An-gel, Anchel… oder wie heißt das eigentlich? Wie spricht man eigentlich Deinen Namen aus? Ich hab schon so viele Variationen gehört.“
Angel: „Ja, mittlerweile bin ich daran gewöhnt. Angel, Anhel, Anchel oder Angel, ich bin kein Engel, ich angel aber gern. Mein Vorname ist Angel. Stell Dir vor Du machst das Licht AN und es wird HELL. Wenn man die beiden Wörter zusammenfügt ergibt es: /An-hell/.“
Art: „Super, dann haben wir dieses Mysterium jetzt endlich mal geklärt. Das finde ich gut. Angel, heute bei mir in der Sendung, Tanzlehrer aus Dortmund, mein persönlicher Tanzlehrer. Ich freue mich, dass Du es endlich geschafft hast zu uns in die Sendung zu kommen. Stell Dich doch mal bitte für unsere Zuhörer kurz vor.“
Angel: „Ja, was soll ich sagen, ich glaube alle wissen das. Aber ich sage es trotzdem noch mal. Also ich bin Angel, ich komme aus Ecuador, ich bin 42 Jahre alt, ich lebe seit zwölf oder dreizehn Jahren in Deutschland. Ich bin Dozent, ich habe Pädagogik studiert. Ich betätige mich als Salsa-Lehrer und auch als Spanisch-Lehrer.“
Art: „Ein weiteres Mysterium ist ja noch bei Dir: Was tanzt Du eigentlich? Ist das jetzt kubanisch oder ist das nicht kubanisch. Ist es New York, New York ist es auch nicht. Was ist das? Kolumbianisch? Ecuadorianisch? Gibt es das überhaupt?“
Angel: „ Ja, gute Frage. Also es ist kein Kubanisch, kein reines Kubanisch, ich tanze einige Elemente daraus, aber die Leute die bei Kubanern lernen können auch mit meinen Schüler tanzen. Das heißt mein Tanzstil hat auch etwas mit dem kubanischen Tanzstil zu tun. Vom New York Stil habe ich überhaupt nichts oder vielleicht 0,5%.“
Art: „Wo hast Du denn eigentlich tanzen gelernt?“
Angel: „Erst in Ecuador. Den ersten Kontakt mit Salsa hatte ich durch Leute in Ecuador, genauer Nord-Ecuador, in der Provinz wo ich aufgewachsen bin, wo viel Salsa getanzt wird. Und dieser Tanzstil dort hat viel zu tun mit der afrikanischen Salsa. Die Bewegungen haben oft einen afrikanischen Ursprung. In der Schule musste ich immer Marimba tanzen oder Mapale. Das sind auch afrikanische Tänze, die viele Körperbewegungen also Hüft- und Oberkörperbewegungen haben. Und dadurch hat sich mein Stil entwickelt. Und dann waren in Kito natürlich die Kubaner, die nach der Revolution nach Ecuador gegangen sind. Sie haben die Salsa dort weiter entwickelt. Und natürlich verändert sich die Salsa und entwickelt sich immer weiter und weiter. Die Leute, die dort hingegangen sind haben die Salsa der 60er Jahre dort getanzt, Son, mehr Son und Salsa. Und von den Leuten habe ich auch viel gelernt, von den Kubanern in Kito. Da gibt es eine Disco, die schon mehr als 30 Jahre alt ist, wo alle Leute zum Tanzen hingehen, von den Putaten bis zu den Ministern. Ich bin sehr oft in Kolumbien und in Venezuela gewesen, dort habe ich auch viel gelernt. Allein in Cali bin ich 14 mal in meinem Leben gewesen und habe dort viel getanzt. Die Salsa-Szene in Cali ist sehr groß. Man tanzt Salsa ohne Ende, aber anders als hier natürlich, mit weniger Drehungen, ein paar Figuren ja, aber mehr Gefühl, mehr Körpersprache, im Rhythmus mit der Musik, also nicht so athletisch. Sie tanzen mit dem Partner, mit der Musik. Und das ist die Art und Weise wie ich tanze, das ist nicht kolumbianisch, nicht kubanisch, nicht ecuadorianisch. Es ist eine Zusammenfassung von vielen Sachen. Auch in Europa habe ich mich weiter entwickelt. Ich habe bei mehreren Lehrern gelernt, in Köln, in Düsseldorf, in Dortmund (bei Lea), bei Dorothea habe ich auch Kurse belegt und bei Antonio in Essen oder in Berlin in Hamburg, in Barcelona. Überall wo ich hingegangen bin habe ich immer Kurse belegt oder Workshops besucht und da hat sich bei mir dieser Stil weiter entwickelt. Aber das interessante finde ich, dass viele Leute sagen, dass man mit meinen Schülern immer tanzen kann. Ich finde es wichtig, dass die Leute den Rhythmus respektieren und sich anpassen, die Anpassungsfähigkeit entwickeln, dass sie sich an die Körpersprache von den anderen anpassen. Das finde ich sehr wichtig.“
Art: „Daraus schlussfolgere ich einfach mal, dass man flexibel sein sollte, mit allen Partnern auf Salsa-Partys, also nicht nur mit seiner Partnerin zu tanzen, sondern auch mal einfach die Partner zu wechseln, um sicherer zu werden, um ein bisschen dynamischer zu werden, um sich auch ein bisschen mehr anzupassen. Und außerdem macht das ja auch Spaß einfach mal ein paar Leute kennen zu lernen und nicht immer mit seiner eigenen Freundin oder Partnerin oder umgekehrt Partner zu tanzen. - Angel, Du bist ja viel unterwegs, man sieht Dich eigentlich auf jeder Party. Du unterrichtest Salsa, Du bist ständig unterwegs. Wie schaffst Du das eigentlich?“
Angel: „Ja, weil ich Tanzen, Tanzen, Tanzen, Tanzen liebe. Und das ist immer so wenn ich tanze. In der letzten Zeit, also in den letzten drei Jahren, habe ich sehr viel in Dortmund gemacht. Das war meine eigene Entscheidung. Davor habe ich viel in Essen, in Düsseldorf, in Köln, Bielefeld, Osnabrück, Münster usw. gemacht . Überall wo man tanzen konnte bin ich hingegangen. Und irgendwann, nachdem ich auch angefangen hatte Salsa in Dortmund zu unterrichten, habe ich gesagt okay, man muss in Dortmund eine starke Salsa-Szene aufbauen und dafür muss man das unterstützen. Es ist zum Beispiel wichtig, wenn der Lehrer tanzen geht, dann gehen normalerweise die Schüler mit. Wenn ich Schüler wär, würde ich auch gerne dort tanzen gehen wo mein Lehrer ist. Das ist eine klare Sache. In einigen Lokalen und Clubs werde ich eingeladen und muss keinen Eintritt bezahlen, weil ich immer da bin und immer zehn Leute hinter mir gehen. Das ist okay, das hat mir so gefallen. Ich muss mich bei den Lokalen bedanken, dass es so gegangen ist. Ich habe gesagt, dass es richtig Spaß macht und ich möchte, dass die Salsa-Szene in Dortmund groß wird."
Art: „Um noch mal auf Deinen Unterricht zurückzukommen. Wie ist denn eigentlich Deine Unterrichtsmethode? Wie baust Du Deinen Unterricht auf?“
Angel: „Also, für mich ist der Rhythmus sehr wichtig. Den Rhythmus zu hören, die Musik, mit der Musik zu tanzen. Das ist alles okay. Ich beginne meinen Unterricht erst mit Grundschritten und Körperbewegungen. Du hast es selbst erfahren, wir bewegen nur die Hüfte oder irgendwann bewegen wir nur die Beine und irgendwann die Schultern und irgendwie warst Du schockiert. Du wolltest tanzen lernen. Du sagtest: „Wie, ich möchte tanzen lernen.“ Und das ist die Reaktion von Vielen. Also es geht nicht um 1-2-3-4-, da sind noch mehr Sachen dabei. Die Körpersprache, die Bewegungen, die Beweglichkeit. Ich finde den Rhythmus und die Beweglichkeit beim Tanzen sehr wichtig. Und es ist sehr wichtig die Musik zu respektieren. Danach, wenn die Teilnehmer richtig tanzen können, kann man mit Figuren anfangen. Ich sage den Leuten immer: „Erst tanzen lernen, dann die Figuren.“ Tanzen lernen braucht Zeit. Figuren lernen kann man in zehn Minuten. Und, Du kannst das selbst bestätigen, als ich Dir am Anfang verboten habe Figuren zu machen. Du wolltest in der zweiten Stunde schon Figuren machen. Und Du warst ein bisschen enttäuscht, weil Du unbedingt Figuren machen wolltest. Ich habe gesagt: „Nein, Du bist noch nicht reif dafür.“ Und Du musstest zwei Kurse machen (also 14 mal zum Unterricht gehen), um die Grundlagen zu lernen und danach Figuren anzufangen. Aber danach hast Du gesagt, dass Du mich verstehst.
Manchmal hat man den Eindruck, viele Leute kommen einfach in den Kurs mit dem Wunsch tanzen zu lernen. Für sie bedeutet tanzen lernen aber gleich Figuren tanzen. Und natürlich ist es dann manchmal ein Schock, wenn man mit der Erwartung in den Kurs geht tolle Figuren zu lernen, das Konzept aber anders aussieht. Manchmal gibt es Leute die gucken sich den Unterricht ein- oder zweimal an und gehen dann woanders hin, weil sie unbedingt Figuren tanzen möchten. Und ich sehe manchmal Leute, die ein paar Schrittvariationen tanzen können (vor und zurück, sehr eckig, gerade) und trotzdem möchten sie Figuren machen. Um eine Figur zu schaffen muss man Rundungen im Körper haben, runde Bewegung tanzen, mehr Körperausdruck haben. Danach kommen die Figuren sehr leicht. Manchmal werde ich in Dortmund als sehr streng bezeichnet, aber es macht mir Spaß so zu arbeiten. Und wenn in meinem Kursus nur sechs Leute, also drei Paare bleiben, mache ich auch weiter, weil es mir mehr Spaß macht zu unterrichten, wenn die Leute so richtig tanzen können und nicht nur Figuren lernen.“
Art: „ Gibt es denn irgendwelche Erfahrungswerte wie lange das dauert, bis jemand Salsa tanzen kann oder bis jemand beim Salsa tanzen sicher ist?“
Angel: „Ja, das ist sehr schwierig. Es gibt keine Werte. Also, man kann die Leute nach Tanzerfahrung einstufen aber nicht nach Zeit. Es gibt Leute die zwei Jahre dabei sind und noch nicht den Rhythmus markieren und es gibt Leute, die in zwei Monaten schon viel tanzen können. Das ist unterschiedlich, kann man nicht sagen. Manchmal sagen Leute, dass sie Fortgeschritten sind und kommen zum Fortgeschrittenen-Kursus und sind total daneben. Oder manche Leute, die drei oder vier Jahre getanzt haben, melden sich für einen Rueda de Casino Kursus an und die sind total daneben. Und ich sage „Tut mir leid! Du darfst das nicht mitmachen weil es für die anderen Leute, die Rueda tanzen langweilig ist, wenn jemand aus dem Takt ist. Aber das ist unterschiedlich. Man kann nicht sagen, „okay der drei Monate und dann bist Du Profi“. Das ist unterschiedlich, je nach Begabung der Leute.“
Art: „Gibt´s denn noch irgendwas was unterstützend helfen kann, wenn man schneller lernen möchte oder wenn man das irgendwie fördern möchte?“
Angel: „Ja mehrere Tipps. Als erstes viel Musik hören, Musik in Blut und in den Körper bringen, beim Kochen, beim Auto fahren, bei der Arbeit, überall. Es gibt diesen Spruch „Die Südländer haben die Musik im Körper“ . So ist es nicht. Aber wenn man die Musik ständig hört, dann geht sie von alleine ins Blut. Außerdem ist es wichtig viel tanzen zu gehen, also nicht nur einmal in der Woche einen Kurs besuchen und dann nach Hause gehen, sondern mehr probieren, viel probieren mit anderen Tänzern oder Tänzerinnen. Wie Du vorher gesagt hast. Das ist sehr wichtig. Man sollte alle Möglichkeiten zu lernen nutzen: zum Beispiel Schnupperstunden, Workshops bei einem Lehrer, andere Lehrer ausprobieren. Ich sage den Leuten immer „Geh woanders hin, geh mal da hin, da lernt man etwas andere Elemente.“ Bei anderen lernt man andere Elemente und das ist sehr wichtig für die Entwicklung. Dieser Aspekt ist sehr wichtig für die Entwicklung. Man lernt nicht nur in eine Richtung sonst in mehrere Richtungen. Und man entwickelt sich viel besser.“
Art: „Heute zu Gast in der Sendung, der Dortmunder Salsa-Tanzlehrer Angel Figueroa.“
Angel: „Hallo hier ist Angel für das 24 Salsa-Radio.“
Art: „Was machst Du denn noch außer Salsa? Du gibst ja nicht nur Salsa-Unterricht, sondern Du hast ja gerade schon kurz erwähnt, Du machst auch noch Sprachunterricht. Wie sieht das denn aus und wie funktioniert das?“
Angel: „Ja ich habe vor genau zehn Jahren angefangen hier als Sprachdozent zu arbeiten, davor habe ich andere Sachen gemacht. Als ich nach Deutschlang gekommen bin habe ich in der Küche gearbeitet und als Kellner in Restaurants und Hotels. Danach habe ich auch auf Baustellen gearbeitet. Man muss immer was machen. Und ab ´96 habe ich angefangen als Sprachlehrer in unterschiedlichen Institutionen wie ISM (International School of Management), in der Uni oder Berlitz, bei der Deutschen Bank oder der kleinen Sprachschule im Kreuzviertel gearbeitet. Drei- oder viermal im Jahr habe ich Sprachreisen nach Barcelona organisiert. Das war ein Kombipaket, also Sprachreise mit Tanzen. Vormittags habe ich Spanisch unterrichtet und abends Salsa. Da hatte ich viel Erfolg. Und das werde ich in Zukunft in Spanien machen. Ich versuche alle Salsero von Dortmund und Deutschland nach Spanien zu bringen, damit sie dort Spanisch lernen.“
Art: „Möchtest Du den Zuhörern noch etwas sagen? Irgendwelche Grüße loswerden? Bitte sehr!“
Angel: „ Ja an alle lieben Leute, die Salsa tanzen. Ich möchte Euch wissen lassen, dass ich alles im Herzen trage, alle Kollegen, die Tanzlehrer wie Marcelo, Birgit, Hugo Marcel, Lea, die nicht da ist, Dorothee, die nicht mehr dabei ist. Und alle Leute, die hier viel in der Salsa-Szene gemacht haben, so wie Mustafa am Anfang, Christiane Bock in der Tanzschule Bailar. Wir sind in Dortmund eine große Familie: die Tanzlehrer und auch die Schüler, also alle Tänzer. Es ist wunderschön, wenn man in Dortmund tanzen geht, wie lieb die Leute miteinander sind. Das finde ich am Besten. Und ich wollte nur sagen, dass hoffentlich dieses Ambiente nicht verloren gehen wird. Also ich würde mich freuen, wenn ich in fünf Jahren zurück komme und ich diese Stimmung hier wieder finde.“
Art: „Vielen Dank für das Interview. Angel Figueroa.“
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